Was ist Psychologie?


11. Juni 2020

Beginnen wir mal damit, was Psychologie eigentlich ist …

Psychologie – ein Wort mit tausend Meinungen. Jeder hat eine Ahnung davon. Und dies zu Recht.

«Wir alle sind fasziniert davon, Erklärungen für das menschliche Verhalten zu finden. … Unser Wunsch danach, andere Menschen zu verstehen, ist so grundlegend, dass es sich bis in unsere Freizeit und unsere Hobbys hineinzieht.» (Aronson et al., 2004, S. 101)

Mittels Alltagspsychologie erklären sich die Menschen das Verhalten ihrer Mitmenschen. Das hilft, sich im Alltag zurechtzufinden. (Asendorpf, 2007) Doch worin unterscheidet sich die Alltagspsychologie von der wissenschaftlichen Psychologie? Wer Psychologiefachbücher anschaut, wird immer lesen, die Psychologie sei die Wissenschaft vom Verhalten (Fremdbeobachtung) und Erleben (Selbstbeobachtung) des Menschen. (Gabler et al., 2004) Dieser Ansatz mag im Grundsatz stimmen, ist jedoch nicht abschliessend zu betrachten. Während sich Entwicklungspsychologen mit den Unterschieden der physischen, kognitiven und sozialen Aufgaben in den verschiedenen Lebensabschnitten befassen, legt der klinische Psychologe sein Augenmerk unter anderem auf die Ursachen von psychischen Störungen und deren Behandlung und der Sportpsychologe wird sein Augenmerk auf den Sport haben (vgl. Kapitel …). Das heißt, es gibt immer verschiedene Betrachtungsweisen.

Eines ist aber allen Psychologen gemeinsam. Sie befassen sich mit der Psyche des Menschen. Die Psyche ist die «Gesamtheit des menschlichen Fühlens, Empfindens und Denkens» (Duden). Umgangssprachlich bzw. alltagspsychologisch wird oft von Seele gesprochen. Ein Psychologe untersucht die psychischen Vorgänge und bezieht dabei sowohl das Verhalten mit ein, das – auch für einen Alltagspsychologen – von aussen sichtbar (beobachtbar) ist, aber auch dasjenige, das im Gehirn vorwiegend unbewusst abläuft.

Dabei wird das Verhalten durch Psychologen nicht nur beobachtet und erklärt, sondern auch beschrieben, überprüft und vorhergesagt. Und genau mit dieser Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Überprüfung unterscheidet sich die Alltagspsychologie von der wissenschaftlichen Psychologie.

Es ist die Aufgabe der Psychologie, die «blinden Flecken» der Menschen aufzudecken.

Unter blinden Flecken werden in der Sozialpsychologie Teile verstanden, die Personen selbst nicht wahrnehmen, von außen aber beobachtet bzw. erfragt werden können. Anna Freud spricht von Abwehrmechanismen, das heißt, es geht um ungelöste Verdrängungen (Freud, 1912) oder anders ausgedrückt um Dinge, die sich in unserem Unbewusstsein abspielen. Die unbewussten Prozesse haben – je nach Quelle – einen Anteil von ca. 95 % des menschlichen Denkens / Verhaltens. Auf diesen Teil kann mit den aktiven Gedanken nicht direkt zugegriffen werden, das heißt, es erschliesst sich uns nicht sofort. Das hilft uns im Alltag sehr. Müssten Menschen jede einzelne – noch so kleine – Handlung bewusst bedenken bzw. steuern, wären sie überfordert. Als Beispiel ein Basketballspieler: Er rennt, dribbelt den Ball, orientiert sich, wohin er spielen kann, kommuniziert mit Mitspielern und das alles gleichzeitig … Alles bewusst zu tun, wäre pure Überforderung. Unbewusste Prozesse haben aber eine große Ein-Wirkung auf unser Tun. Durch intensive Gespräche wird in der Psychologie versucht die tiefere Bedeutung der Gedankenwelt des Menschen zu ergründen und so Teile dieser unbewussten Prozesse greifbar zu machen. Denn genau in diesem Unbewussten versteckt sich vieles, was verändert – z. B. auch optimiert – werden kann, wenn es ins Bewusstsein dringt.

All das gilt auch für die Sportpsychologie!


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Über Mich

Neben diversen Aufträgen in der Wirtschaft bin ich für die Sportpsychologie bei ALBA Berlin (Basketball) verantwortlich und arbeitet mit weiteren Vereinen und Verbänden sowie vielen Einzelsportlern aus unter-schiedlichsten Sportarten zusammen. Daneben doziere ich an der Business School Berlin. Ich verfüge u. a. über Masterabschlüsse in Sportpsychologie und Management und habe eine Ausbildung in Notfallpsychologie.